Warum selbst die beste Theorie scheitert, wenn Emotionen und Medienberichte das Handeln bestimmen
Folie 6: Das Paradoxon der Überoptimierung
- Das Problem: Viele Anleger starten mit dem Wunsch nach Einfachheit (z. B. ein einziger Welt-ETF). Sie enden jedoch oft mit einem unübersichtlichen, schwer kontrollierbaren „Baukastendedot“ aus 6 bis 14 Einzel-ETFs.
- Die Ursache: Das Portfolio wird nicht nach einer festen Strategie aufgebaut, sondern stückweise anhand von aktuellen Schlagzeilen und Modethemen erweitert.
- Die Folge: Das ständige Gefühl, einen Trend zu verpassen („FOMO“), führt zu permanentem Umschichten. Dieses „Hin und Her“ kostet zusätzliche Gebühren und vernichtet nachweislich Rendite.
Folie 7: Fehler 1 & 2 – Länderwetten und der Hype um Trend-ETFs
- Die Gefahr von Länderwetten: Die Annahme, heute zu wissen, welche Region (USA, Europa, China) in den nächsten 30 Jahren die Nase vorn hat, ist Spekulation.
- Historisches Warnbeispiel Japan: In den späten 1980ern galt Japan als unschlagbares Wirtschaftswunder. Nach dem Crash Ende 1989 dauerte es sage und schreibe 35 Jahre, bis der japanische Leitindex sein altes Allzeithoch wieder erreichte.
- Die Illusion von Hype-Branchen: Nur weil eine Zukunftstechnologie (z. B. KI, Wasserstoff, Cannabis) die Welt verändert, bedeutet das nicht, dass der Branchen-ETF eine Outperformance liefert.
- Die Bewertungshürde: Sobald ein Branchen-ETF aufgelegt wird, sind die Erwartungen meist eingepreist und die Aktien extrem teuer.
- Wissenschaftlicher Beleg (Studie „Competition for Attention“): Global gestreute Standard-ETFs erzielen historisch im Schnitt eine jährliche Rendite von 5,7 % p.a. über dem Tagesgeldsatz, während spezialisierte Trend-ETFs im Mittel nur 2,4 % p.a. einbringen.
Folie 8: Fehler 3 & 4 – Schein-Diversifikation & das Rendite-Reihenfolge-Risiko
Das Schein-Diversifikations-Beispiel: Wer gleichzeitig einen MSCI World, einen MSCI ACWI und einen S&P 500 bespart, besitzt keine echte Streuung. Er kauft die exakt gleichen US-Technologie-Konzerne dreifach und treibt seinen US-Anteil unbemerkt auf über 80 %. Sobald man Regionen nach Bauchgefühl gewichtet, wettet man gegen den breiten Markt.
- Das Rendite-Reihenfolge-Risiko (Sequence of Returns Risk): Wer kurz vor oder im Rentenalter zu 100 % in Aktien investiert ist, riskiert bei einem Marktcrash im falschen Moment dauerhafte Vermögensschäden.
- Die Auswirkung: Müssen in einer Marktphase mit niedrigen Kursen Anteile verkauft werden, um die Lebenshaltungskosten zu decken, fehlen diese Anteile bei der anschließenden Markterholung.
- Die Lösung: Spätestens 10 Jahre vor dem Renteneintritt sollte das Portfolio angepasst werden. Ein solider Sicherheitsbaustein (Tagesgeld/Anleihen) fängt die Entnahmen in schlechten Börsenjahren auf. Ein Richtwert von circa 50 % Aktienquote bei Renteneintritt ist anzustreben.